EINE WELT LADEN FÜRTH

Produkt der Woche

Was macht die Produkte im Weltladen so besonders? Das sind ihre Geschichten: Geschichten von mutigen Menschen und Pionier*innen, von spannenden Projekten, die es besser machen wollen und von einer Gesellschaft, in der Fairness und Solidarität eine Bedeutung haben.

Und diese Geschichten wollen wir euch erzählen, indem wir ab jetzt regelmäßig unser Produkt der Woche mit seiner ganz eigenen Geschichte vorstellen.

Slow Fashion & schönes Kunsthandwerk aus Bangladesh

11. - 17. Oktober 2021

Aus 100 Prozent Baumwolle, dezent-farbenfroh und handgewebt, dass sind die neuen Teppiche von El Puente. Gefertigt werden sie unter dem Dach der Fairhandelsorganisation Prokritee, die ihren Sitz in Dhaka hat. Ziel der Organisation ist es, ein bewusstes Gegenstatement zu Fast Fashion zu bieten und insbesondere Kunsthandwerker*innen aus dem ländlichen Umfeld in Bangladesh zu fördern.

Zu den Produkten der Organisation gehören neben den Teppichen auch Körbe und andere Textilien, die bewusst aus Naturmaterialien wie Jute, Wasserhyazinthe und Seide oder aus den Verschnitten der Textilindustrie sowie aufgetragenen Saris gefertigt werden.

Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gibt es gleiche Löhne, außerdem bietet Prokritee Fort- und Weiterbildungen sowie Alphabetisierungskurse an. Für die insgesamt Kunsthandwerker*innen gibt es außerdem Rentenfonds, Kleinkredite und Sparprogramme.

Die Fairhandelsorganisation hat eine eigene Design-Werkstatt, wo gemeinsam neue Entwürfe erarbeitet werden. Diese enthalten auch immer Elemente aus der Tradition und Geschichte Bangladeshs.

auf Instagram ansehen
El-Puente.de
auf Facebook ansehen

Von den Global Mamas für deutsche Mamas und jeden, der auch gerne kocht

04. - 10. Oktober 2021

Die Global Mamas verstehen sich als weltweites Netzwerk von Menschen, die gemeinsam dazu beitragen, afrikanischen Frauen in Ghana und deren Familien zu Wohlstand zu verhelfen.

Das Wohlstandsverständnis der Global Mamas ist dabei mehrdimensional und bezieht sich nicht nur auf den finanziellen Wohlstand, sondern auch auf Gesundheit und Glück. Und was könnte glücklicher machen, der Arbeit nachzugehen, die frau liebt und dabei noch für finanzielle Unabhängigkeit der eigenen Familie zu sorgen?

Die Textilien, die Kosmetik und der Schmuck wird nach traditionellem Handwerk und in hochwertiger Qualität von den Mamas hergestellt. Werte wie Gemeinschaft und Zusammenarbeit, Kreativität und langfristiges Commitment spielen eine wichtige Rolle bei der Arbeit.

Zu den handwerklichen Fertigkeiten der Frauen, die von Generation zu Generation weitergegeben werden, gehören das Färben und Batiken von Stoffen, die Näherei, die Verarbeitung der invasiven Hyazinthen zu Papier oder in Webkunst, die Herstellung von Glasperlen, die Produktion reiner Shea Butter und die Fertigung der traditionellen schwarzen Seife, die Menschen in Ghana schon seit Generationen benutzen.

Auf der Website der Global Mamas finden sich zu allen Produzent*innen Porträts, sodass Sie als Kund*innen genau erfahren, wer hinter den Produkten steckt.

auf Instagram ansehen
Globalmamas.org
auf Facebook ansehen

Faire Mäuse für Büro und Home-Office

27. September - 03. Oktober 2021

Wer nach einem Markt für fair gehandelte IT-Produkte sucht, muss schnell aufgeben. Denn das Angebot ist nach wie vor sehr überschaubar um nicht zu sagen: Kaum vorhanden. Aber Nager IT ist ein erstes Beispiel für den Schritt in die richtige Richtung: Seit 2012 / 2013 produziert das Unternehmen Computermäuse, die zumindest fairer sind: Nach wie vor ist es kaum möglich, alle Bestandteile aus transparenten Lieferketten und unter fairen Bedingungen herzustellen oder zu erwerben.

Aber das Unternehmen versucht stetig, seine Mäuse fairer zu machen, indem es Bauteile regional oder aus Ländern mit hohen Sozial- und Umweltstandards erwirbt und kämpft sich so mit Teilerfolgen näher an sein Ziel: Eine vollständig faire Computermaus.

Dazu gehört es auch, dass die Mäuse nicht etwa im Ausland, sondern in der Integrationswerkstatt Retex in Regensburg gefertigt werden. Viele der Einzelteile stammen aus deutschen Werkstätten oder Werkstätten in China, die das Unternehmen eigens besucht hat. Problematisch ist aber zusätzlich die Lieferkette: An vielen Stellen gibt es nach wie vor Unklarheiten, wo die Rohstoffe und dergleichen auch für die deutschen Unternehmen herkommen. Auch hier versucht Nager IT auf seine Zulieferer einzuwirken, damit deren Lieferketten transparenter und fairer werden.

Neben fairer Produktion spielt auch Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle bei der Herstellung der Computermaus. So besteht das Scroll-Rad seit einigen Jahren aus regionalem Holz und das Gehäuse aus Zuckerrohr anstatt Erdöl. Über Fairlötet bezieht das Unternehmen einen recycelten Kupferdraht.

Es geht also vorwärts, vielleicht zwar in Mäuseschritten, aber immerhin. Und vielleicht gibt es sie ja in ein paar Jahren, die vollständig faire Computermaus.

auf Instagram ansehen
Nager-IT.de
auf Facebook ansehen

Fair versüßt

20. - 26. September 2021

Dass in den 90ern die Nachfrage und Vermarktung der philippinischen Mangos noch so gering war, dass die Früchte teilweise an den Bäumen verfaulten, davon ist heute nichts mehr zu sehen: Rund 500 Kleinbauer*innen-Familien auf den Philippinen leben heute vom Fairtrade-Mango-Anbau und das Mango-Sortiment in den Weltläden ist reichhaltig: Getrocknet, im Glas, als Soße, als Apfel-Mango-Saft oder als fruchtige Gummibärchen in Schutzengelform.

Das Projekt unterstützt Menschenrechte und Umweltschutz gleichermaßen: Ein Teil der Einnahmen von Preda fließt in die gleichnamige Stiftung, die dadurch unter anderem Kinderheime für Mädchen und Jungen finanziert, Therapiearbeit für Straßenkinder, Kinder mit sexuellen Missbrauchserfahrungen oder ehemaligen Gefängniskindern leistet und Bildungs-, Aufklärungs- und Kampagnenarbeit, auch international. Initiiert wurde sie von dem Iren Pater Shay Cullen, der seit Jahrzehnten für die Rechte und den Schutz von Kindern auf den Philippinen kämpft und Preda bereits 1974 gegründet hat.

Das faire Einkommen verhindert außerdem das Abwandern in die Städte und den Abrutsch in die Armut für die Mangobauer*innen. Durch den Fairen Handel können sie ein lebenswertes Leben führen und bekommen durch Preda und Weltpartner die nötige Unterstützung für Verkauf und Vermarktung ihrer Mangos. Dazu gehört unter anderem die kostenfreie Bereitstellung von Mangosetzlingen.

Damit verbunden sind große Aufforstungsprojekte für gerodete Gebiete auf den Philippinen. Viele der Mango-Bauer*innen setzen auch auf einen naturnahen Anbau durch Mischkulturen, Kompostwirtschaft und natürliche Schädlingsbekämpfung, womit sie wiederum einen Beitrag zur Biodiversität und dem Erhalt einer intakten Umwelt leisten.

Die Aeta, die indigene philippinische Bevölkerung, baut die Mangos sogar in zertifizierter Bioqualität an. Dank dem fairen Handel und der Bio-Produktion erhalten sie einen Preis für ihre Mangos, der 200fach höher als der lokale Marktpreis ist.

auf Instagram ansehen
auf Facebook ansehen

Messing von den Seidenstraßen

13. - 19. September 2021

Das französische Unternehmen Karawan Authentic hat seine Handelspartner entlang der Seidenstraßen: In Marroko, Türkei, Syrien, Indien, Nepal und Vietnam. Es hat sich besonders den orientalischen Traditionen von Gastfreundschaft und Badekultur verschrieben.

Die Messingschalen und Messingtabletts fanden traditionellerweise in der Hamman-Badekultur-Anwendung. Die Familie Kamal aus Indien stellt sie bereits in fünfter Generation her. Jeder Schritt ist Teil einer traditionellen Messing-Schmiedetechnik und wird von spezialisierten Handwerker*innen durchgeführt.

Die Schalen sind glatt, gehämmert oder mit gravierten Arabesken versehen. Die Objekte entstehen in vier Schritten:

Der*die erste Handwerker*in formt die Messingbleche durch hämmern. Als zweites folgt das Formen der Schalen mithilfe einer Drehbank. Als drittes ist ein*e Schnitzer*in am Werk, die die Ornamente formt und zuletzt wird die Schale noch poliert.

Von den rund 100 Mitarbeiter*innen gehören rund ein Drittel zur selben Familie. Respekt vor Mensch und Umwelt sind zentrale Elemente der Zusammenarbeit. Der “Muhalim”, also Meister, ist Anleiter und Verantwortlicher des Gewerbes.

auf Instagram ansehen
auf Facebook ansehen

Bunt gestreift und gut sortiert

06. - 12. September 2021

Die kleinen flachen Taschen eignen sich gut, um Ordnung in der Handtasche zu halten und bestehen zu 100 Prozent aus handgewebter Baumwolle. Die Women’s Skills Development Organization, die die Taschen herstellt, gibt es bereits seit 1975. Hier, in Phokara in Nepal, werden auf traditionellen Nepali Back Strap Webrahmen Tücher, Taschen und andere Accessoires und Dekoartikel gefertigt.

In der Organisation arbeiten ausschließlich Frauen. Oft kommen sie aus schwierigen familiären oder wirtschaftlichen Bedingungen oder sind körperlich benachteiligt. Die WSDO bietet ihnen eine umfassende Ausbildung, damit sie die Chance erhalten, sich ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen. Zu den Fähigkeiten, die während der Ausbildung erworben werden, gehört der Zuschnitt, das Nähen, Weben, Färben, aber auch grundlegende Kenntnisse zur Betriebsführung.

Neben Gesundheitsvorsorge und -versorgung bietet die Organisation Schulplätze für die Kinder ihrer Mitarbeiterinnen, Mutterschaftsurlaub und Englischkurse an.

Die Produkte werden aus regional angebauter Baumwolle gefertigt und umweltschonend gefärbt.

Salz aus den Tiefen Südafrikas

30. August - 6. September 2021

Unter Schichten aus Muschelkalk, Sand und Ton liegt ein 400 Jahre alter Salzsee, der aus dem Meer gespeist wird. Das Wasser wird durch mineralhaltige Gesteinsschichten gefiltert und nach oben gepumpt, wo es in einem Sammelbecken gesammelt wird. Der Salzgehalt dieses Wassers ist in etwa dreimal so hoch wie in normalem Meerwasser. Die gewonnene Sole trocknet in der Sonne, wodurch sich ihr Salzgehalt abermals erhöht. Über Wochen bilden sich dank der Verdunstung schneeweise Salzkristalle, die dann per Hand geerntet werden.

Die Salzgewinnung hat in der Region lange Tradition. Das Familienunternehmen beschäftigt vor allem Mitarbeiter*innen örtlichen Gemeinde Velddrif, denen es nach dem Rückgang der Fischindustrie so eine neue Perspektive geben kann. Das Unternehmen arbeitet selbstverständlich nach Fairtrade Standards und unterstützt seine Mitarbeitenden bei Ausgaben für Schulgelder oder Führerschein.

Das Salz hat reinste Qualität ohne Zusätze und enthält durch die Mineralschichten des Sees zahlreiche Spurenelemente. Beim Abbau wird die benötigte Energie durch Solarzellen gewährleistet. Neben dem reinen Salz gibt es Khoisan auch noch als feine Gewürzsalzmischungen.

Die ganze Welt in einer Flasche

23. - 29. August 2021

Kokosöl aus Sri Lanka und Samoa, Palmöl aus Ghana, Olivenöl aus Palästina und Israel und vieles mehr steckt in der kleinen Seifenflasche von Dr.Bronner´s. Und alle Zutaten sind fair und bio. Außerdem legt das Unternehmen großen Wert auf eine nachhaltige Produktion: Bei der Kokosölherstellung werden beispielsweise Fasern und Schalen weiterverarbeitet zu Pflanzensubstrat, um alles zu verwerten, das Palmöl wird in Mischkulturen angebaut, die die Artenvielfalt fördern.

Zusätzlich zu den Fairtrade-Prämien, die das Unternehmen an die Produzent*innen gezahlt hat, förderte es auch weitere eigene Projekte in Ländern des Globalen Südens. Unter anderem investiert das Unternehmen in Klimaschutz, insbesondere in neue Landwirtschaftsmethoden und Aufforstung mit Kokos- und Palmölpalmen. Die Verpackung der Seifen besteht vollständig aus recyceltem Plastik und bis 2025 möchte das Unternehmen klimapositiv sein, also mehr CO2 einsparen statt ausstoßen. Alle Arbeits- und Produktionsschritte sind geprägt von einem verantwortungsvollen, gewissenhaften Umgang mit Mitmenschen und Natur.

Und heraus kommt dabei ein 18in1-Pflegeprodukt: Warum 18 verschiedene Seifen, Waschmittel, Shampoos, Reinigungsmittel, Zahnpasta, … kaufen, wenn auch ein einziges Produkt das erfüllen kann. Die Produkte sind außerdem noch vegan.

Wespengeschützt genießen

16. - 22. August 2021

Die Limogläser mit Deckel und Strohhalm eignen sich besonders im Sommer gegen Wespen und Insekten. Hergestellt werden sie von der Fairhandelsorganisation TARA in Indien. TARA wurde von Sozialarbeiter*innen, Studierenden und Lehrer*innen gegründet und hat es sich insbesondere zum Ziel gesetzt, den sogenannten ‘Unberührbaren’ eine Perspektive zu bieten.

Auch heute ist Diskriminierung dieser Kaste in Indien noch ein Problem. TARA möchte dem entgegenwirken. Allerdings arbeitet die Organisation streng nach Selbsthilfekriterien. Spenden und andere Zuwendungen werden nicht angenommen, die Organisation legt Wert darauf, ihren Mitgliedern eine Teilhabe an Arbeitsmarkt und Gesellschaft ohne “Almosen” zu ermöglichen.

Zu den Mitgliedern von Tara gehören Kooperativen, kooperativ arbeitende Gruppen und auch Familienbetriebe. Ein besonderer Fokus der Arbeit liegt auf der Gesundheitsfürsorge und Familienberatung. Der Vorstand der Mitgliederversammlung wird regelmäßig neu gewählt und TARA setzt auf die Qualität statt Quantität ihrer Geschäftsbeziehungen: Lieber weniger Partnerorganisationen mit engem Kontakt als viele mit losem.

Mal anders kochen in der Tajine

09. - 15. August 2021

Ursprünglich stammt der traditionelle Lehmkochtopf aus Marokko: Mit der Tajine können Gerichte langsam und schonend gegart werden. Sie lässt sich auf den Herd stellen oder auch in den Backofen. Traditionellerweise stellten die Marokkaner*innen den Topf für Schmorgerichte auf ein Holzkohlenfeuer.

In die höchste Stelle der Tajine wird Wasser gefüllt. So entsteht beim Erhitzen ein Dampfkreislauf und das entsprechende Gericht wird langsam und schonend gegart. Durch den Lehm verteilt sich die Wärme gleichmäßig, es entsteht ein ganz besonderes Aroma.

Von Marokko hat sich die Tajine auch über Algerien und Tunesien verbreitet. Aus letzterem Land stammt auch die Tajine bei uns im Weltläden. Das Privatunternehmen besitzt zwei Werkstätten, in denen zu gleichen Teilen Frauen und Männer arbeiten und hat es sich insbesondere zum Ziel gesetzt Kooperation und Verständnis zwischen muslimischer und westlicher Kultur zu fördern.

In Tunesien sind Korruption, Zensur und die Folgen der Aufstände immer noch zu spüren: Teure Lebensmittelpreise, geringe Chancen auf dem Arbeitsmarkt und wenig Zukunftsperspektiven. In Folge der “Tunesischen Revolution” brach auch der Tourismus als zentraler Wirtschaftszweig ein. Darunter litt auch die Keramikbranche: Von den ursprünglich 600 Töpfer- und Keramikwerkstätten in Nabeul, dem Zentrum der tunesischen Töpferkunst, gibt es heute nur noch 200.

Le Souk möchte ein gutes Beispiel sein und zeigen, dass es noch Hoffnung und Zukunft für die Keramikbranche gibt. Deshalb plant das Unternehmen unter anderem, seinen Verkauf über den Fairen Handel noch auszuweiten und so den Menschen eine Perspektive zu schenken.

Innovation wird aktiv gefördert: Wer beispielsweise neue Designs entwickelt, bekommt zusätzlich zum Lohn Bonuszahlungen. Der Lohn selbst ist bis zu dreimal so hoch wieder Mindestlohn und das Unternehmen zahlt außerdem 100 Prozent für Gesundheits- und Pensionsversicherung.

Leider musste Le Souk im Jahr 2020 Konkurs anmelden und auch die Unterstützung durch die Fairhandelsorganisation EZA konnte das Unternehmen nicht mehr retten.

Weitere Infos